• Thomas Neubert

Zwei Wahrheiten und eine Prise Phantasie – das arago Team stellt sich vor

In diesem Monat: Thomas Neubert – Produktion


Im Sommermonat August stand uns unser Kollege Thomas Neubert aus der Produktion zur Verfügung, der Jahreszeit entsprechend mit drei Urlaubsgeschichten.


Wie immer gilt: Zwei der Geschichten haben sich genauso zugetragen wie beschrieben, eine Geschichte entspringt seiner Phantasie. Raten Sie mit und sichern Sie sich erneut die Möglichkeit auf den Gewinn eines ganz besonderen Spiels (siehe unser Gewinnspiel auf der letzten Seite).


NIHON


Vor ein paar Jahren hat es meine Partnerin und mich nach Japan verschlagen, um die Gelegenheit zu nutzen dieses sehr interessante Land kennenzulernen und, um meinen Vater zu besuchen, der dort beruflich eingesetzt war. Wir machten eine Rundreise durch verschiedene Städte. Erst waren wir für ein paar Tage alleine in Tokio und sind später zusammen unterwegs gewesen um Nagasaki, Kagoshima und Osaka zu sehen. Man sagt ja, in Japan ist alles ein bisschen anders und das stimmt absolut. Wahrscheinlich unter anderem, weil man sich am Anfang so hilflos den unleserlichen Zeichen und der unverständlichen Sprache ausgeliefert fühlt. Andererseits macht das auch ungemein viel Spaß. Selbst banale Dinge wie das Bedienen eines Getränkeautomaten werden da schnell zu einem Erlebnis, was in unzähligen Fotos aus diversen Winkeln für das spätere Album festgehalten werden muss.


Unterwegs waren wir in Osaka fast ausschließlich mit der U-Bahn. Mit verschiedenen Handy-Apps und einer Karte vom U-Bahnnetz ausgestattet, machten wir uns an die Herausforderung, an unser gewünschtes Ziel zu kommen. Zuversichtlich den richtigen Bahnsteig gefunden zu haben, schauten wir uns um und sahen, wie sich einige Leute in ordentlichen Reihen und an bestimmte Positionen versammelten. Wir wollen nicht aus der Reihe tanzen und machen es ihnen nach. Da wo halt noch gut Platz gewesen ist. Die U-Bahn fuhr ein und kam mit einer beeindruckenden Präzision an der vorgesehenen Stelle zum Stehen. Türen auf und schnell waren wir eingestiegen. Mit Vorfreude auf unser Ziel schauten wir interessiert umher, nach draußen und drinnen. Viel versteht man nicht von den ganzen Werbetafeln. Es handelte sich wohl viel um Kosmetik und Parfums. Schön bunt anzusehen, wie auch das ganze Abteil, welches vornehmlich in einem Rosa gehalten war. Wir scherzten über die Farbgebung und das aus diesem Grund wohl kein Mann mit uns das Abteil betreten hat... und plötzlich fiel der Groschen. Das war eins dieser »women only« Abteile. Mein Vater und ich haben uns ganz schnell ziemlich fehl am Platz gefühlt. Zum Glück war meine Partnerin dabei, sonst wären wir sicher direkt an der nächsten Station von Sicherheitsbeamten empfangen worden. Wer weiß, aber da in Japan Gebote und ehrenwertes Verhalten als sehr wichtig angesehen werden, war es sicher keine unbedeutende Sache für die Mitfahrerinnen. Man hat es uns scheinbar nachgesehen, da wir offensichtlich nicht aus der Region stammten. Das nächste Mal wird uns das nicht mehr passieren.


HÖHENLUFT


Eines der schönsten Fleckchen dieser Erde ist mit absoluter Sicherheit die Region Südtirol in Italien. Lange Zeit hatte ich Leute davon schwärmen hören. Ein ganz besonderer Urlaub sollte es werden, nur 7 wir zwei, meine zukünftige Verlobte und ich. Ja, auf dieser Reise war geplant, die Frage aller Fragen zu stellen und um ihre Hand anzuhalten. Lange vor dem Reiseantritt hatte ich mich um einen schönen Ring ge-kümmert. Weißgold, mit sieben kleinen Brillanten in einer Reihe angeordnet. »Zeitlos elegant«, wie mir der Juwelier versicherte. Den passenden Ort für die entscheidende Frage hatte ich ebenso ausgekundschaftet. Hoch oben sollte es sein, mit einem atem- beraubenden 360° Panoramablick auf die Südtiroler Bergwelt. Das Rittner Horn auf 2060 Höhenmetern ist es geworden. Am 3. Juni brachen wir auf zu einer »schönen Wander- tour«. Das Wetter spielte zum Glück mit. Ein guter Mix aus Sonne und Wolken, so dass es nicht zu heiß wurde. An der oberen Seilbahnstation angekommen sind es noch 2,5 km zu wandern, bis zum Gipfel. Die Steigung war nicht ohne und als ungeübte Jungwanderer eine Herausforderung. Auf die Frage, ob wir wirklich bis ganz nach oben müssten, habe ich nur gemeint »Es wird sich lohnen«. Ganz oben angekommen, suchten wir uns einen schönen Platz etwas abseits vom Weg, um auszuruhen, die wundervolle Aussicht zu genießen und viele Fotos zu schießen. Für ein gemeinsames Foto positionierte ich die Kamera auf ein paar größeren Steinen. Ich stellte die Videoaufnahme ein, sagte aber »Achtung, gleich macht sie ein paar Aufnahmen!« Während wir zusammen zur Kamera blickten, kramte ich heimlich in meiner Fototasche. Dort hatte ich die Schachtel vergraben mit dem wertvollen Schatz. Die Hand am Zittern, Blick nach vorn, es geht schwer... etwa hakt... und ZACK… weg aus der Hand... Ich höre nur noch ein ganz leichtes »bing« und ich wusste nicht mehr wie mir geschieht. Nach gefühlt ewigen Minuten klärte ich sie auf und wir suchten gemeinsam die ganze Umgebung ab. Doch

der Ring war weg. Kein Wunder zwischen den vielen Steinen. Auf die indirekt gestellte Frage gab es ein »Ja« als Antwort und in einer Stimmung gemischt aus gerührt, geschockt und hilflos zugleich kehrten wir im Schutzhaus auf der Spitze ein, aßen etwas und waren total geschafft, aber irgendwie glücklich. Was für ein Erlebnis dachten wir uns noch und blicken heute mit viel Humor auf diesen Tag zurück.


FIREBALL


Seit klein auf bin ich ein Himmelsgucker und interessiere mich für alles, was außerhalb dieses Planeten noch so passiert. Umso dankbarer bin ich für die Seltenheit, welche ich an einem Nachmittag erleben durfte. Meine Frau und ich waren zu Besuch bei meinen Eltern in Norddeutschland. Es war im September, ein schöner, warmer Tag zum Spazierengehen. Samt Hund sind wir gestartet, um an einen nicht weit gelegenen See zu fahren. Dort konnte man abwechslungsreiche Natur genießen, einfach den Stress vergessen und die Seele baumeln lassen. Vor allem gab es aber schöne Badestellen für unsere vierbeinige Begleiterin, die das Wasser über alles liebt. An einem Wegesrand geparkt, geht es erst durch ein kleines lichtes Waldstück, bis man zum See gelangt. Am Ufer entlang nebst offenem Feld hat man einen guten Blick weit bis zum Horizont. Ich schaue mich immer gerne um, wenn ich auf Wanderschaft bin, habe meine Kamera dabei und hoffe auf ein paar gute Motive. In der Ferne zwischen großen Wolkenformationen entdeckte ich auf einmal diese lange Lichtspur. Sehr hell, an der Spitze leicht grünlich leuchtend und ein langer rötlicher Schweif. Für zwei bis drei Sekunden ein spektakuläres Schauspiel der Natur. Für mich war klar, was ich da gesehen hatte. Einen sogenannten Superboliden, eine Feuerkugel bzw. einen sehr hellen Meteor. Außer mir hatte allerdings keiner etwas bemerkt und je weiter die Zeit fortschritt, zweifelte ich daran, überhaupt etwas gesehen zu haben. Erst ein paar Tage später konnte ich Berichte über dieses Ereignis finden und war mir sicher, Zeuge geworden zu sein. So konnte ich recherchieren, dass es sich um eine ganz besondere Art eines Steinmeteoriten gehandelt hat, welcher gut 2 Meter im Durchmesser gehabt haben muss und ca. 15 Tonnen auf die Waage brachte. Mit über 18 km pro Sekunde schoss das Objekt durch die Atmosphäre um in fast 40 km Höhe beinahe gänzlich zu verglühen. Dabei wurde in wenigen Sekun- den eine Energie abgestrahlt mit der man ca. 330.000 Becher Kaffee hätte aufkochen oder über 9.000 Waschmaschinen mit einem 60° Waschgang hätte betreiben können. Recht interessant, oder nicht? So etwas sieht man am Tage vielleicht nur einmal im gan- zen Leben und natürlich darf man sich bei solch einem Ereignis etwas Großes wünschen, wie es schon immer bei Sternschnuppen der Fall war. Meinen Wunsch darf ich aber nicht verraten, am Ende will noch jemand etwas von meinem baldigen Lottogewinn abhaben.

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