• Dominic Strong

Zwei Wahrheiten und eine Prise Phantasie – das arago Team stellt sich vor

In diesem Monat: Dominic Strong, Design & Technik


Auch wenn seine Wurzeln in Deutschland und den USA liegen, freuen wir uns, Ihnen ob seiner Vielseitigkeit das »Schweizer Taschenmesser« der arago Consutling vorstellen zu dürfen, unseren Kollegen Dominic Strong. Er fühlt sich nicht nur bei der Betreuung der Film- und Tontechnik auf Streaming-Veranstaltungen wohl, sondern auch bei der Ausarbeitung von kreativen Design-Ideen und bei der Arbeit mit Sprache, wie unter anderem sein Artikel »Wie Sprache unser Denken beeinflusst« in unserem aktuellen Newsletter belegt. Zwei der nachfolgenden Erzählungen über ihn entsprechen der Wahrheit, eine entspringt seiner Phantasie. Raten Sie mit uns mit und gewinnen Sie auch in diesem Monat wieder ein ganz besonderes Spiel (siehe unser Gewinnspiel auf der letzten Seite).


Auf dem Brett


Ich war nie ein großer Athlet. Während sich damals alle Kinder zum Bolzen auf dem Platz getroffen haben, war ich lieber alleine ein Lager bauen oder wuselte durch die oberfränkischen Wälder. Als wir jedoch in eine neue Wohnung umzogen und ich das Nachbarskind auf einem rollenbesetzten Holzbrett über den Hinterhof fetzen sah, war es um mich geschehen. Nicht nur habe ich meinen Nachbarn von einer Sekunde auf die nächste als die coolste Person der Welt auserkoren, ich wusste nun auch, womit ich fortan jede freie Minute meines jungen Lebens füllen wollte: Skateboarding.


Als ich jedoch bei meiner Mutter quengelte, dass ich so gerne ein Skateboard hätte, bekräftigte, dass das ein längerfristiges Vorhaben sei, Monologe hielt, dass das Verletzungsrisiko vergleichsweise gering wäre und Kosten-Nutzen-Rechnungen aufstellte, warum der Preis für ein gutes Board komplett gerechtfertigt wäre und auf Dauer auch um einiges günstiger sei, als eine Vereinsmitgliedschaft, winkte meine Mutter jedoch ab und ließ sich, egal wie schlüssig mir meine Argumente auch schienen, nicht dazu erweichen mir meinen Wunsch zu erfüllen. Ich tat also, was alle vernünftigen Kinder tun, wenn die Eltern ihnen ihren Herzenswunsch verwehren: Ich ging zu Oma und Opa. Und ehe ich mich versah, stand ich auf meinem ersten eigenen Skateboard. Von diesem Tag an war ich mit kaum einer Ausnahme am Skatepark unseres Städtchens. Was mein dauerhaftes Interesse, das ich meiner Mutter versprochen hatte, anbelangte, so konnte ich dieses bestätigen. Die Sache mit den Verletzungen steht auf einem anderen Blatt. Einmal knallte ich mit solchem Karacho mit dem Gesicht auf den Boden, dass der Arzt mir, nachdem meine zerdellte Visage vom Röntgen gekommen war, sagte, er könne mir aufzählen, was alles gebrochen sei, doch man könne es recht gut zusammenfassen, indem man sage, mein Schädel sähe aus wie ein gekochtes Ei, das man einmal kräftig auf dem Tisch angeschlagen hatte.Trotz alledem habe ich glücklicherweise keine bleibenden Schäden von meinem Hobby davongetragen und bin putzmunter wie eh und je.


An den Decks


Musik hat schon immer eine große Rolle in meinem Leben gespielt. In meiner Jugendzeit hatte ich praktisch pausenlos Kopfhörer in meinen Ohren stecken, durch die Rhythmen auf mein Trommelfell knatterten, die die meisten Menschen mit kultiviertem Geschmack allenfalls als Krach bezeichnen würden. Der Soundtrack meiner Jugend begann bei meiner ersten CD: Slipknot von der gleichnamigen Band aus den Staaten, formierte sich über Metal Bands wie Ensiferum, Amon Amarth oder Equilibrium, um letztendlich bei Gruppen wie Unleashed oder Gorgoroth herauszukommen, die in etwa den harmonischen Groove einer Motorsäge haben. Eins war für mich klar: Gute Musik wird immer von Bands mit Instrumenten gemacht und technoide Elektromusik ist Schmutz! Gerade mein damalig bester Freund, der zu der Zeit auf den frisch eingefahrenen Dubstep-Zug aufgesprungen war, bekam dies immer wieder zu hören.


Meine Attitüde änderte sich jedoch schlagartig, als ich an einem Augustwochenende eine Gruppe von Freunden auf ein kleines Elektro-Festival begleitete. Ohne es zu wollen, zog mich die Gemeinschaft, die Stimmung und die Musik derartig in ihren Bann, dass ich mich sofort in diesen Sound verliebte. Ich begann relativ bald selbst Musik aufzulegen. Mit einem Freund startete ich eine Veranstaltungsreihe, um die untersättigte Szene Oberfrankens zu versorgen. Wir nannten uns »Vollgas« und machten den Namen zum Programm. Wir bespielten die ungenutzten Hallen einer alten Filzfabrik mit unseren Klängen und gaben regionalen Künstlern die Möglichkeit, ihre Werke auszustellen oder ihr Können live zu demonstrieren. So begann meine Reise als DJ und Musiker, die mich mittlerweile durch viele Partys und teilweise namhafte Clubs, wie die Rakete oder das Haus33 geführt hat. Noch immer trete ich gelegentlich auf, sammle Schallplatten und tüftele an meinem Synthesizer-Setup herum, um daraus neue verspulte Klangteppiche zu quetschen.

In der Ferne


Als ich 2011 meinen Schulabschluss machte, hatte ich noch keinen wirklichen Plan, in welche Richtung ich meine berufliche Laufbahn lenken sollte. Ich arbeitete also erstmal in der Firma meines Stiefvaters: einem mittelständischen Unternehmen, das Produkte zur Wasseraufbereitung herstellt. Von Aquaristik- über Teichprodukte bis hin zu internationalen Großprojekten.


Nachdem ich einige Monate in der Produktion Flaschen voller Algenbekämpfungsmittel in Kartons geschichtet hatte, begann eine Zusammenarbeit mit einem VW-Werk in Mexiko. Die Wasserqualität im angrenzenden See war derartig im Keller, dass die Produktion behindert wurde. Mein Vater besuchte diverse Male das Werk in Puebla und freundete sich kurz darauf mit dessen Leiter an, einem Deutschen Auswanderer namens Erwin Hopperdietzel. Eines Abends war Erwin bei uns zum Essen eingeladen und wir unterhielten uns unter anderem über meine Zukunftspläne und darüber, dass diese noch nicht voll ausgereift waren. Erwin meinte daraufhin, halb scherzhaft, dass ich doch zu ihm nach Mexiko kommen solle, um bei VW zu arbeiten. Dort würden neue Kräfte gesucht und ich würde sicher einen Bereich finden, in dem ich mich wohlfühle. Ich lehnte dankend ab, da ich gerade meine erste Freundin hatte und diese für die große Liebe hielt. Ich wollte diese zukunftsträchtige Beziehung nicht für ein Abenteuer aufgeben.


Nach einigen weiteren Wochen Produktionsarbeit ging diese Liaison jedoch recht rasch in die Brüche und ich fand mich an einem Tiefpunkt wieder. Ich rief also Erwin an, fragte ihn, ob das Angebot, nach Mexiko zu kommen, noch stände und fand mich nicht mal zwei Wochen später mit gepackten Taschen am Flughafen Frankfurt wieder. Ohne wirklichen Plan, was mich erwartet und wann ich wiederkomme. Ein Flug ins Ungewisse. Als ich nach fast 30 Stunden Reisezeit in Puebla ankam, wurde ich herzlich empfangen. Eine Unterkunft für mich war bereits organisiert und ich konnte 2 Tage später mit der Arbeit beginnen. Zu erzählen, was in den darauffolgenden anderthalb Jahren passierte, würde den Rahmen sprengen, doch hatte ich eine unvergessliche Zeit voller spannender Erlebnisse, wunderbaren Menschen und atemberaubenden Reisen. So viele Momente, die sich für immer in mein Gehirn gebrannt haben.


Als es mich letztendlich doch nach Deutschland zurückzog, wusste ich, dass ich meinen Lebensunterhalt mithilfe meiner Kreativität bestreiten möchte. Also machte ich eine Ausbildung zum Mediengestalter, holte mein Abitur nach und schloss daran ein Studium zum Kommunikationsdesigner an.

11 Ansichten0 Kommentare