• Sonja Alexander

Was den Aachener Dom und das Augsburger Wassermanagement-System verbindet

Bundesweit findet am ersten Juni-Sonntag der UNESCO-Welterbetag statt. In diesem Jahr steht er unter dem Motto »Solidarität und Dialog«. An den Welterbestätten erwarten die Besucherinnen und Besucher interessante Ausstellungen, Führungen und Vorträge. Digital und analog wird Zeugnis aus einer mehr als 6000-jährigen Geschichte gegeben. Vorgestellt werden die Veranstaltungen auf der Plattform www.unesco-welterbetag.de. Bislang wurden in Deutschland 46 Kulturobjekte von der Sonderorganisation der Vereinten Nationen mit dem prestigeträchtigen Status versehen. Der Kaiserdom in Aachen führt 1978 die Liste an, 2019 erhält das Augsburger Wassermanagement- System den begehrten Titel. Dieser wird auch an historische Stadtensemble vergeben, so wie jenen in den Städten Lübeck und Bamberg.


LÜBECK – DIE GOTISCHEN BACKSTEINBAUTEN DER ALTSTADTINSEL KRÖNEN DIE »KÖNIGIN DER HANSE«


Wie es einer Königin gebührt, schmückt sich die Hansestadt mit einer »Krone«. Sie hat sieben »Zacken« und seit Jahrhunderten dominieren diese die Silhouette der Handelsstadt. Die sieben Türme der Altstadtkirchen, die sich hinter dem stolzen Holstentor, dem Wahrzeichen der mittelalterlichen Stadt erheben, sind von weitem sichtbar. Wie eine Spinne im Netz, komplett von Wasser umschlossen, so platziert sich die Hansestadt Lübeck bei ihrer Gründung im Jahr 1143. Durch den West-Ost-Handel etabliert sich der erste Ostseehafen rasch und Lübeck entwickelt sich zur Boom Town der Hanse. Der zunehmende Reichtum zeigt sich beim Bau der herrschaftlichen Patrizierhäuser und stolzen Kirchenbauten. Im Laufe der Jahre entstehen drei außergewöhnliche Areale. Sie sind geprägt von gotischer Backsteinarchitektur. Ein gut erhaltenes Wohnviertel aus dem 18. Jahrhundert befindet sich am Burgkloster und der kleinen St. Aegidien-Kirche. Zwischen Petrikirche und Dom demonstrieren prächtige Patrizierhäuser die Macht der Kaufleute. Alles wird jedoch überragt von dem gewaltigen Bauwerk der Marienkirche. »Die Mutterkirche der Backsteingotik« liegt auf dem höchsten Punkt im Herzen der Altstadt und bildet, gemeinsam mit dem Rathaus und dem Marktplatz, das dritte historische Viertel. 1987 werden diese städtebaulichen Ensembles in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen. Damit erhält erstmalig ein Flächendenkmal diese begehrte Auszeichnung. Unter www.luebeck-tourismus.de finden Sie detaillierte Informationen über die Hansestadt.

Auch von oben sieht die Lübecker Altstadt wunderschön aus. © LTM

BAMBERG – DAS »FRÄNKISCHE ROM« BESTICHT MIT DREI INDIVIDUELLEN ALT-STADTTEILEN AUF EINER FLÄCHE VON 1,4 QUADRATKILOMETERN


Das Bamberger Altstadtensemble »repräsentiert in einzigartiger Weise die auf frühmittelalterlichen Grundstrukturen aufbauende mitteleuropäische Stadt« – so begründet die UNESCO-Kommission 1993 die Wahl der alten Kaiser- und Bischofstadt zum schützenswerten Welterbe. Dabei dokumentieren die drei historischen Siedlungsstätten mit ihren authentischen Denkmalen eindrucksvoll die 1000-jährige Stadt- und Architekturgeschichte der »Sieben-Hügel-Stadt« und ihre Bedeutung als politisches Zentrum. Die »Bergstadt«, dort thront, prachtvoll anzusehen, der Kaiserdom mit seinen vier Türmen, zwei in gotischer Bauweise, die anderen aus der Romanik, die barocke Neue Residenz, die Alte Hofhaltung – Bischofspfalz mit einzigartigem Innenhof – und das Kloster Michaelsberg. Altes und neues Zentrum bürgerlichen Lebens ist die »Inselstadt«. Zwischen den beiden Flussläufen der Regnitz gelegen, vor den historischen Häusern und auf dem täglich stattfindenden Markt herrscht reges Treiben. Noch heute werden dort eine Vielzahl heimischer Produkte aus den urbanen Hausgärten, der »Gärtnerstadt«, angeboten. Über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist der Anbau von Süßholz und der Spitzname der Bamberger: »Zwiebeltreter«. Um einen ersten Eindruck Bambergs zu bekommen, lohnt ein Besuch des Welterbe-Besucherzentrums, vorab auch unter www.welterbe.bamberg.de einsehbar.

Das Alte Rathaus von Bamberg ist wohl eines der bekannteren Sehenswürdigkeiten der Inselstadt. © Adobe Stock/marcus_hofmann

DARMSTADT – DIE MATHILDENHÖHE IST WELTERBE-KANDIDAT

Seit 2014 steht die Künstlerkolonie Mathildenhöhe auf der nationalen Tentativliste zum Welterbe-Status. Sechs weitere Kandidaten, darunter Heilbäder und SchUM-Städte sind nominiert. Da in Deutschland die Denkmalpflege Ländersache ist, haben sie das Nominierungsrecht. Damit geht das jeweilige Bundesland auch die finanzielle Verpflichtung zum Schutz und Erhalt der Welterbestätte ein. Jeder Vertragsstaat darf jährlich lediglich einen Vorschlag über sein Kultusministerium einreichen. Das Auswahlverfahren der Welterbe-Konvention ist sehr anspruchsvoll. Aus der Dokumentation muss der außergewöhnliche Wert der Kulturstätte für gegenwärtige und zukünftige Generationen ersichtlich sein und ein Managementplan zur Erhaltung erstellt werden. Die UNESCO-Kommission prüft das Dossier vor Ort. Die Chancen stehen gut. Wie Lübeck und Bamberg bietet die Mathildenhöhe ein einzigartiges architektonisches Gesamtkunstwerk. Darmstadt verdankt dies Großherzog Ernst Ludwig, dem letzten hessischen Monarchen. Zwischen den Jahren 1899 bis 1914 macht er es zur Stadt der Kunst. Er finanziert Künstler unterschiedlicher Gewerke, die auf der Mathildenhöhe Häuser errichten, in denen sie leben und arbeiten. Es entsteht ein vom Jugendstil geprägter Stadtteil mit Gärten und Skulpturen. Der 1908 errichtete Backsteinturm, später als »Hochzeitsturm« tituliert, ist sein Wahrzeichen. Es finden Design-Ausstellungen statt, bei denen die ansässigen Architekten, Innenarchitekten und Kunsthandwerker Einblicke in ihre Arbeit geben. Mit der Abdankung des Großherzogs 1918 löst sich die Künstlerkolonie 1929 auf. Weitere Informationen zur Welterbe-Kandidatur sind unter www.mathildenhoehe-darmstadt.de abrufbar.

Der Hochzeitsturm, die russische Kapelle und das Lilienbecken im Vordergrund gehören zur Mathildenhöhe Darmstadt. © Adobe Stock/Lapping Pictures

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