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Unser Besuch auf der LEARNTEC 2026 – ein Erfahrungsbericht

  • Autorenbild: Daniel Stöckel
    Daniel Stöckel
  • 9. Juni
  • 6 Min. Lesezeit

Alles, was Sie nachfolgend lesen, ist ein subjektiver Erfahrungsbericht. Es sind meine persönlichen Gedanken zum diesjährigen Besuch der LEARNTEC in Karlsruhe, Europas größter Veranstaltung für digitale Bildung. Eines vorweg: Die LEARNTEC ist und bleibt ein wichtiger Termin in unserem Kalender – allein um zu beobachten, wohin sich der Bereich der Erwachsenenbildung entwickelt.


Thomas Neubert, Leiter unseres Seminarmanagementbereichs, und ich besuchen die LEARNTEC jedes Jahr. Die Messe erstreckt sich über drei Tage; wir waren am zweiten Messetag vor Ort, am 6. Mai.


Weniger Besucher, weniger Aussteller«

Unser erster Eindruck im Vergleich zu den Vorjahren: Es war deutlich weniger los – sowohl was die Besucherzahlen als auch die Anzahl der Aussteller betrifft. Waren es 2024 noch rund 14.000 Fachbesuchende, kamen in diesem Jahr nur noch etwa 11.000. Wir haben mehrere Aussteller auf diesen Eindruck angesprochen. Viele bestätigten unsere Wahrnehmung. Die Standkosten seien gestiegen, so hieß es. Einige vermuteten, dass eine gewisse Sättigung eingetreten sei – viele Unternehmen hätten sich inzwischen mit sogenannten EducationTech-Lösungen ausgestattet. Andere nannten das schwierigere wirtschaftliche Umfeld als Ursache. Und sicherlich spielt auch eine Rolle, dass in den coronanahen Jahren das Thema E-Learning einen enormen Bedeutungsschub erfahren hat, der nun abflacht.


Langeweile kam jedoch auch 2026 nicht auf: Rund 340 Ausstellende und 600 Referierende sorgten für ein dichtes Programm.



Die schönste Hose der LEARNTEC hatte wieder Christian Steiner zu bieten. Äußerst unterhaltsam und kompetent führt er durch die Welt der KI-Anwendungen und hat Jahr für Jahr spannende Tipps und Tricks zu bieten. Bild:  © arago Consulting GmbH
Die schönste Hose der LEARNTEC hatte wieder Christian Steiner zu bieten. Äußerst unterhaltsam und kompetent führt er durch die Welt der KI-Anwendungen und hat Jahr für Jahr spannende Tipps und Tricks zu bieten. Bild: © arago Consulting GmbH


Unser Fokus: Partner treffen, Neues entdecken«

Unser Fokus auf der LEARNTEC liegt traditionell darauf, einzelne Partner zu besuchen, die wir seit vielen Jahren kennen, uns vor allem aber auch anzuschauen, was es Neues am Markt gibt.


Das PwC Immersive Lab präsentierte auf der LEARNTEC seine Virtual Reality-Lösungen – und die waren durchaus beeindruckend. Für den Recruiting-Bereich wurde der Frankfurter PwC-Tower als virtuelle Umgebung nachgebaut. Eine weitere Lösung bildet Pitch-Situationen für Wirtschaftsprüfer realitätsnah nach: Die Teilnehmenden werden in einer 3D-Welt von einer virtuellen Jury kritisch befragt. Auch im Bereich IT-Security verfolgt PwC einen innovativen Ansatz: Mitarbeitende können sich in einer virtuellen Welt als Hacker versuchen. Die Strategien, die sie dabei kennenlernen, sollen ihnen helfen, sich selbst besser vor Hackerangriffen schützen zu können.


Immersive Technologien wirken, bei PwC. Leon Daniel, Manager Immersive Technologies führte durch die einzelnen Anwendungsfälle. Bild:  © arago Consulting GmbH
Immersive Technologien wirken, bei PwC. Leon Daniel, Manager Immersive Technologies führte durch die einzelnen Anwendungsfälle. Bild: © arago Consulting GmbH


VR-Hype weicht dem KI-Hype«

Was jedoch sehr augenfällig war: Der Hype um die Virtuelle und Augmented Reality wurde vom neuen KI-Hype verdrängt. Passend dazu hat der Facebook-Konzern Meta Ende März seine VR-Plattform Horizon Worlds geschlossen. Virtual Reality hat es bisher nicht aus der Nische geschafft – auch nicht aus der Nische im Lernbereich.


Das neue goldene Kalb ist die Künstliche Intelligenz. Kein Vortrag und keine technische Lösung kommt ohne sie aus. Sie soll ein Versprechen einlösen, an dem viele Anbieter scheinbar den Erfolg oder Misserfolg von Lernmaßnahmen im Bereich der Erwachsenenbildung festmachen: individuelle Lernprozesse!


Lernen bleibt eine Faktorrechnung«

An dieser Stelle darf nochmals auf den Podcast »Über den Verlust an Bildung« unserer Beirätin Prof. Dr. Birgit Spies erinnert werden. In ihrem Gespräch mit dem Schweizer Pädagogen Dr. Carl Bossard, zu dem wir auch einen Blogbeitrag verfasst haben, wird deutlich: Der Erfolg einer Weiterbildungsmaßnahme entscheidet sich nicht am Einsatz der KI. Sie ist ein Werkzeug und kann, richtig eingesetzt, hilfreich sein. Aber sie ist kein Zaubertrank.


Den Podcast finden Sie unter: https://t1p.de/up27y


Wie Dr. Bossard ausführt, ist und bleibt Lernen eine Faktorrechnung. Die Formel lautet:

Verstehen (Was wird gelernt?)× Üben × Abrufen/Anwenden


Alle drei Faktoren sind für das Lernen wichtig. Viele Lösungen auf der LEARNTEC fokussieren sich jedoch nur auf den ersten Faktor: das Verstehen. Etwas zu verstehen genügt aber nicht.


Meine Kinder und ich sprechen glücklicherweise dieselbe Sprache. Sie verstehen mich inhaltlich (und spätestens nach der dritten Wiederholung auch überdeutlich in der Akustik), wenn ich ihnen sage, dass Zähneputzen notwendig ist (Faktor 1, Verstehen). Ich kann es ihnen auch vorsingen oder einen Film über eine Wurzelbehandlung zeigen. Mit vier und sechs Jahren sind sie auch in der Lage, eine Zahnbürste zu halten und sich diese in den Mund zu stecken (Faktor 2, Üben). Ohne dass sie das Zähneputzen aber tatsächlich durchführen, das Verstandene und Geübte also auch eigenständig anwenden, kann ich nicht davon sprechen, dass sie es gelernt haben.


KI kann uns beim Lernen unterstützen. Das Lernen an sich findet aber in uns statt, in unseren Gehirnen – nicht außerhalb. Ich könnte KI einsetzen, um meinen Kindern auf alle erdenklichen Arten zu erklären, weshalb Zähneputzen eine gute Idee ist. Ich könnte KI einsetzen, um sie an das Zähneputzen zu erinnern. Und ich könnte KI einsetzen, um zu überwachen, ob sie ihre Zähne geputzt haben. Das Lernen findet aber in ihrem Kopf statt. Gelernt haben sie es erst, wenn sie das Verstandene und Geübte auch regelmäßig anwenden. Ohne KI.


KI-generierte Lerninhalte: Der nächste Schritt?«

In einem Vortrag auf der Messe wurde das Publikum befragt, wer bereits KI einsetzt, um Lerninhalte erstellen zu lassen. Fast alle Hände gingen hoch.


Weshalb sollte man Lerninhalte noch selbst erstellen, wenn das Wissen bereits in den Datensilos der Unternehmen schlummert? Wäre es nicht zeitgemäßer, wenn der Lernende seinen Lernbedarf einem Learning Management System mitteilt und dieses die Lerninhalte personalisiert – aus internen Unternehmensquellen und Dokumenten zusammenstellt, ausgerichtet an den Fähigkeiten und Zielen des Lernenden und angepasst an sein Feedback?


Genau diesen Weg gehen, im Unterschied zu klassischen Lernplattformen, Anbieter wie das Düsseldorfer Start-up chunkx. Sie versprechen DSGVO-konforme Sicherheit, die Einsparung von 80 % der üblichen Expertenzeit für die Erstellung neuer Kurse, die Behebung des Problems, Gelerntes zu behalten und auch anzuwenden (meine Kinder lassen grüßen) – und »Skill Analytics, die mit Natural Language Processing Lerninhalte mit Skill-Ontologien matchen, um zurückzumelden, wie sich die Organizational Capabilities entwickeln«. Anders ausgedrückt: Es wird ausgewertet, ob die Mitarbeitenden etwas lernen, was dem Unternehmensziel dient.



Für uns einer der interessantesten Bereiche auf der LEANTEC: Die Start-Up Area mit zahlreichen Präsentationen und Vorträgen junger Unternehmen. Bild:  © arago Consulting GmbH
Für uns einer der interessantesten Bereiche auf der LEANTEC: Die Start-Up Area mit zahlreichen Präsentationen und Vorträgen junger Unternehmen. Bild: © arago Consulting GmbH



Keine Messe mit Technologieanspruch ohne Roboter: Wir sind gespannt, wie sich das Verhältnis Mensch/Maschine in den kommenden Jahren entwickeln wird – und wer künftig wen mit dem Controller durch die Halle führt 😉. Bild: LEARNTEC Messe mit Roboter © Messe Karlsruhe/neverdaless
Keine Messe mit Technologieanspruch ohne Roboter: Wir sind gespannt, wie sich das Verhältnis Mensch/Maschine in den kommenden Jahren entwickeln wird – und wer künftig wen mit dem Controller durch die Halle führt 😉. Bild: LEARNTEC Messe mit Roboter © Messe Karlsruhe/neverdaless



Weitere Meinungen zur LEARNTEC im Education NewsCast«

Wir sind sehr gespannt, inwiefern diese interessanten Ansätze in den kommenden Jahren klassische E-Learning-Plattformen ergänzen oder auch verändern werden.


Fakt ist: KI-basierte LLM-Modelle werden nicht verschwinden. Sie sind gekommen, um zu bleiben. Die Frage, wo sie sinnvoll eingesetzt werden können, ist noch nicht abschließend beantwortet – interessante Ansätze gibt es aber zahlreiche.


Besonders spannend fanden wir auch die communitynahe Perspektive auf die LEARNTEC 2026: Nicht die große Messekulisse stand im Vordergrund, sondern die Stimmen der Menschen, die vor Ort waren und ihre Eindrücke direkt geteilt haben. Genau das machte deutlich, dass die LEARNTEC nicht nur eine Leistungsschau für digitale Bildung ist, sondern auch ein Ort für Austausch, Einordnung und echte Praxisfragen rund um Lernen, KI und den sinnvollen Einsatz neuer Technologien. Einen hörenswerten Eindruck davon vermittelt der Education NewsCast von SAP, der Stimmen direkt von der Messe eingefangen hat.


Den Podcast finden Sie auf https://t1p.de/mlvze


Die LEARNTEC 2027 findet bereits vom 2. bis 4. Februar statt – deutlich früher als gewohnt. Wir freuen uns auf unseren Besuch und werden Ihnen über die Entwicklungen berichten.


INFO


Medienpädagogik in Kindergarten oder Schule – Ein trojanisches Pferd der

Technologiekonzerne?


Wir als arago unterstützen mit unseren Dienstleistungen in den Bereichen Seminarlogistik, Seminarmanagement und Lernmedienentwicklung Anbieter im Bereich der Erwachsenenbildung. Unser Fokus gilt daher dem Einsatz analoger und digitaler Bildung in Unternehmen.


Auf der LEARNTEC finden sich aber auch viele Anbieter für digitale Bildungslösungen in der Schule. Diese digitalen Lösungen sind per se nicht schlecht. Wir sollten jedoch bei jedem Einsatz von Technologie in der Schule – und neuerdings sollen solche Lösungen auch Eingang in den Kindergarten finden – berücksichtigen, dass die neuronalen Kontrollsysteme unserer Kinder und Jugendlichen unausgereift sind.


Die Algorithmen und digitalen Medienangebote triggern das Belohnungssystem und sorgen dafür, dass sich genau jene Hirnregionen, die für Reflexion und Impulskontrolle zuständig sind, nicht altersgerecht entwickeln können. 700.000 Kinder und Jugendliche gelten derzeit als internetsüchtig, 2,2 Millionen als problematische Nutzer.


Die von der Bundesregierung eingesetzte, unabhängige Expertenkommission »Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt« hat am 20. April 2026 eine Bestandsaufnahme publiziert. Der Bericht soll als Grundlage für konkrete Handlungsempfehlungen für einen umfassenden Kinder- und Jugendschutz im digitalen Raum dienen (Publikation voraussichtlich im Sommer 2026).


Das »Bündnis für humane Bildung«, initiiert u. a. von Prof. Dr. Ralf Lankau (Hochschule Offenburg) und Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer (Universität Ulm), kritisiert die Kommission scharf: Die begleitende Medienpädagogik sei ein trojanisches Pferd. Die Schlussfolgerungen des Berichts würden die macht- und wirtschaftspolitischen Aspekte digitaler Transformation und die dahinterstehenden ideologischen und kommerziellen Interessen der IT-Wirtschaft und der EdTech-Konzerne vollständig ausblenden. »So wie bei der Alkohol- und Tabakprävention in der Schule nicht das Suchtmittel konsumiert wird, müssen für die Aufklärung auch nicht die »Drogen« Smartphone und Social Media genutzt werden (Pfister 2026, Digitales Heroin. Soziale Medien wirken in vielerlei Hinsicht wie Drogen auf das menschliche Gehirn. Es ist deshalb richtig, den Gebrauch für Kinder und Jugendliche radikal einzuschränken. Spiegel 4/2026)«.


Wie auch immer man zu den einzelnen Positionen steht: Unstrittig ist, dass digitale Medien signifikante Auswirkungen auf die kognitive Entwicklung unserer Kinder haben. Und da sie, die Kinder, bekanntlich unsere Zukunft sind, für deren Entwicklung wir als Erwachsene die Verantwortung tragen, lohnt sich die kritische Auseinandersetzung mit diesem wichtigen Thema.


Zur Bestandsaufnahme der Expertenkommission gelangen Sie hier:

https://www.bmbfsfj.bund.de/bmbfsfj/expertenkommission-legt-bestandsaufnahme-vor-284734


Die Stellungnahme des »Bündnis für Humane Bildung« ist hier abrufbar:

https://die-pädagogische-wende.de/erstaunliche-diskrepanz-zwischen-erkenntnis-und-folgerung/


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