top of page
Lösungen
Branchen
Insights
Warum arago?

MENÜ

Warum Ihr Gehirn einen Spaziergang braucht – und was das für E-Learning bedeutet

  • Autorenbild: Daniel Stöckel
    Daniel Stöckel
  • vor 1 Tag
  • 3 Min. Lesezeit

Albert Einstein veröffentlichte seine Spezielle Relativitätstheorie mit 26 Jahren. Werner Heisenberg formulierte die Unschärferelation mit 25. Marie Curie begann ihre bahnbrechende Forschung zur Radioaktivität in ihren 20er-Jahren. Und Wolfgang Amadeus Mozart komponierte seine erste Sinfonie – mit acht.


Große Geister, große Jugend. Natürlich spielen Talent, Umfeld und glückliche Umstände eine Rolle. Aber es gibt noch etwas, das auffällt, wenn man an junge Menschen denkt: Sie sind ständig in Bewegung. Kinder rennen, klettern, toben – und lernen dabei wie Schwämme. Jugendliche sind ruhelos, rastlos, immer unterwegs – und geistig oft auf der Höhe ihrer Schaffenskraft.


Ist das Zufall? Einen wissenschaftlich wasserdichten Beweis für den direkten Zusammenhang zwischen jugendlicher Bewegungsfreude und geistiger Höchstleistung ist uns zwar nicht bekannt. Aber der Gedanke ist reizvoll – und er wird von dem gestützt, was die Hirnforschung heute über Bewegung und Lernen weiß.


Denn spätestens im Berufsleben kehrt sich das Verhältnis um: Je nach Berufsfeld sitzen wir. Stundenlang. Vor Bildschirmen, in Meetings, in Webinaren. Und wundern uns, warum nach 45 Minuten die Gedanken abschweifen, der Blick zum Fenster wandert und die Hand zum Smartphone greift. Nicht, weil das Thema langweilig wäre. Sondern weil der Körper streikt – und mit ihm der Kopf.


Lernen ist Bewegung – im wahrsten Sinne«

Unser Gehirn ist nicht dafür gemacht, stundenlang reglos vor einem Bildschirm zu sitzen. Wenn wir uns bewegen, passiert im Kopf erstaunlich viel: Die Durchblutung steigt, und der Körper schüttet ein Protein namens BDNF aus – eine Art Dünger für unsere Nervenzellen. BDNF sorgt dafür, dass neue Verbindungen zwischen Nervenzellen entstehen und Gelerntes besser im Gedächtnis haften bleibt.


Der amerikanische Neurowissenschaftler John Ratey bringt es auf den Punkt: Bewegung sei wie ein »Wundermittel« für das Gehirn. Und damit meint er nicht den Marathon, sondern schon kurze, moderate Aktivität – Aufstehen, Strecken, ein paar Schritte gehen.




Ob mit oder ohne Sportgerät: Unser Gehirn freut sich über jede Art von Bewegung. Bild: © arago Consulting GmbH (KI-generiert)
Ob mit oder ohne Sportgerät: Unser Gehirn freut sich über jede Art von Bewegung. Bild: © arago Consulting GmbH (KI-generiert)


Was passiert, wenn wir stillsitzen?«

Das Gegenteil ist leider genauso gut belegt: Wer lange sitzt, wird müde im Kopf. Die Aufmerksamkeit sinkt, die Informationsverarbeitung wird langsamer, die Motivation lässt nach. In digitalen Lernformaten, wo ohnehin die soziale Energie eines Seminarraums fehlt, verstärkt sich dieser Effekt noch.


Kurz gesagt: Langes Stillsitzen ist der natürliche Feind des Lernens.


Kleine Bewegung, große Wirkung«

Die gute Nachricht: Es braucht keine Sporteinheit, um den Effekt zu nutzen. Schon kleine Unterbrechungen machen einen spürbaren Unterschied. Hier ein paar Ideen, die sich sowohl in E-Learnings als auch in Live-Online-Trainings leicht umsetzen lassen:


  • Kurze Bewegungspausen einbauen: Nach 20 bis 30 Minuten Lernzeit reichen schon zwei bis drei Minuten. Aufstehen, sich strecken, ein paar Schritte durch den Raum – das genügt, um die Aufmerksamkeit wieder hochzufahren.


  • Bewegung mit Inhalten verknüpfen: Besonders wirkungsvoll ist es, wenn die Bewegung zum Lernstoff passt. Zum Beispiel: Begriffe im Raum verteilen und zuordnen lassen oder Gesten nutzen, um komplexe Zusammenhänge zu veranschaulichen. Das Gehirn speichert Inhalte besser, wenn der Körper beteiligt ist.


  • »Stand-up«-Phasen im Webinar: Trainerinnen und Trainer können die Teilnehmenden bewusst zum Aufstehen einladen – etwa für eine kurze Reflexionsrunde oder eine Aufgabe, die man besser im Stehen bearbeitet. Das klingt simpel, verändert aber die Energie im virtuellen Raum spürbar.


  • Walk-and-Talk: Eine Frage mitgeben und die Teilnehmenden bitten, sich für drei Minuten vom Bildschirm zu lösen und im Gehen darüber nachzudenken. Funktioniert erstaunlich gut – auch ohne Kamera.


Nicht nur der Kopf profitiert«

Bewegung wirkt übrigens nicht nur auf die Konzentration. Sie beeinflusst auch unsere Stimmung. Wer sich bewegt, schüttet Botenstoffe wie Dopamin und Serotonin aus – beides wichtig für Motivation und Wohlbefinden. Gerade in virtuellen Formaten, in denen man leicht das Gefühl hat, allein vor dem Rechner zu sitzen, kann eine gemeinsame Bewegungspause auch ein verbindendes Element sein.


Was heißt das für uns?«

Wer digitale Lernformate gestaltet – ob als Trainerin, als Kursdesigner oder als Bildungsverantwortlicher im Unternehmen – sollte Bewegung nicht als nette Zugabe betrachten, sondern als festen Bestandteil einplanen. Das bedeutet nicht, jedes Webinar zum Fitnesskurs umzubauen. Es bedeutet, bewusst Pausen zu setzen, Aktivierung mitzudenken und den Teilnehmenden die Erlaubnis zu geben, sich zu bewegen.


Denn eines zeigt die Forschung ziemlich eindeutig: Effektives Lernen ist kein reiner Kopfprozess. Es ist ein Ganzkörpererlebnis.


Sie möchten tiefer einsteigen? Der Neurowissenschaftler Dr. John J. Ratey beschreibt in seinem Buch »Superfaktor Bewegung: Das Beste für Ihr Gehirn!« anschaulich, wie Bewegung unser Denken beeinflusst.


Kommentare


bottom of page