• Alwine Hellmeier

Präsens-Unterricht: Geschlechtergerechte Sprache

Ein respektvoller Umgang miteinander ist für uns ein hohes Gut. Auch im kommunikativen Kontext wollen wir uns wohlgesonnen gegenübertreten. Deshalb widmen wir uns hier der geschlechtergerechten Sprache.

Gendern bezeichnet die sprachliche Umsetzung einer gerechten Geschlechter- ansprache. Der Begriff bezieht sich auf das englische gender, dem sozialen Geschlecht. Dabei geht es um Rollenzuschreibungen, denen man sich zugehörig fühlt und nicht um das biologische Geschlecht, dem Sexus.

Um geschlechtergerecht zu kommunizieren, wird vor allem darauf geachtet das generische Maskulinum zu vermeiden. Zur gendergerechten Sprache gehören auch sprachliche Ausdrücke, die sich nicht nur auf Frauen und Männer beziehen, sondern auch Transgender- und Intersexualität sprachlich berücksichtigen.


Ausdrücke wie Mitarbeiter, Personaler oder Abteilungsleiter werden vermieden. Stattdessen werden Frauen nicht mehr nur mitgemeint, sondern explizit erwähnt und Symbole für die Repräsentation anderer Geschlechter verwendet: Mitarbeiterin und Mitarbeiter, Personaler*in, Abteilungsleiter:in.


Aber wie können wir geschlechtergerecht sprechen und schreiben? Zu dieser Frage gibt es viele Antworten, von denen wir einige an dieser Stelle vorstellen möchten:


DER ERSTE RATSCHLAG: VERWENDEN SIE DOPPELNENNUNGEN


Die Ausbilderin und der Ausbilder suchen Nachwuchs. Sie/Die beiden wollen drei neue Azubis einstellen.


Vorteilhaft ist, dass eben Frauen und Männer explizit erwähnt werden. Durch Pronomen im Plural wie sie oder die beiden können beide Adressierten wiederaufgegriffen werden. Nachteilig scheint oftmals der erhöhte Platzbedarf der Doppelnennung, besonders bei Textsorten, die einen begrenzten Umfang haben. Als Lösung können dafür verschiedene Sparschreibungen dienen:

  1. Schrägstrich mit Bindestrich: Frau/Herrn, Mitarbeiter-/innen, Jede-/r

  2. Klammerung: Kolleg(inn)en, Student(inn)en

  3. Binnen-I: KollegInnen, BewerberInnen

  4. Stern: Mitarbeiter*in, Produktionsleiter*in

  5. Unterstrich: Personaler_in, Webdesigner_in

  6. Doppelpunkt: Lieferant:in, Wissenschaftler:in

Gemeinsam haben diese Sparschreibungen, dass sie zumeist gegen Rechtschreibregeln verstoßen und durch diese Auffälligkeit auf die Problematik hinweisen.


Besonders sind diese Formen aber auch in anderer Hinsicht. Denn sowohl die Variante des Schrägstriches mit Bindestrich, als auch die der Klammerung sind amtlich akzeptiert. Machen Sie sich diese zu Nutze. Die Besonderheit der anderen Varianten ist ebenfalls nicht zu vernachlässigen. Das Gendersternchen, der Unterstrich und der Doppelpunkt werden oft verwendet, um darauf aufmerksam zu machen, dass sich Menschen auch anderen sozialen Geschlechtern zugehörig fühlen. Sie repräsentieren auch Transsexuelle, Transgender und Intersexuelle. Wenn Sie nicht an amtliche Regeln gebunden sind und es Ihre Unternehmenskultur zulässt, verwenden Sie doch eine dieser Varianten.


DER ZWEITE RATSCHLAG: VERWENDEN SIE ERSATZFORMEN UND UMFORMU- LIERUNGEN


Die wohl häufigste Variante des Genderns neben der Doppelnennung ist die Verwendung von Ersatzformen. Es werden synonyme Ausdrücke verwendet, die keine Festlegung auf zwei Geschlechter benötigen. Dabei können folgende Möglichkeiten helfen:


  1. Substantivierte Formen von Partizip und Adjektiv im Plural: Gewählter und Gewählte > die Gewählten

  2. Sachbezeichnungen: Leitung, Kollegium, Belegschaft

  3. Geschlechtsneutrale Ersatzformen: Die Person, die Fachkräfte, das Mitglied.

  4. Umformulierungen mit Adjektiven: Hilfe eines Fachmannes > fachliche Hilfe, Herausgeber > herausgegeben von

  5. Direkte Ansprache: Der Antragsteller muss das Formular unterschreiben > Bitte unterschreiben Sie das Formular.

Wie Sie vielleicht festgestellt haben, ist Gendern nicht unkompliziert. Wenn Sie Ihre Texte geschlechtergerechter gestalten wollen, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.


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