• Thomas Jakobi

One size fits all? E-Learning für ältere Beschäftigte –Teil 2

Im vorangegangenen ersten Teil unseres Artikels zum altersgerechten E-Learning erläuterten wir, weshalb es sinnvoll ist, Überlegungen zur Altersstruktur der Lerner in der Konzeption eines E-Learnings miteinzubeziehen.


Im zweiten Teil behandeln wir die Fragen, welche Konzepte hierfür bereits existieren und welche Rolle Technik und Medienkompetenz in diesem Zusammenhang einnehmen.


ANGEBOTE UND DIENSTLEISTUNGEN


Existieren bereits didaktische Modelle für ältere Zielgruppen? Studien haben im Rahmen einer Untersuchung zum Thema »zielgruppenorientiertes E-Learning für Kinder und ältere Menschen« herausgefunden, dass bislang nur wenige Produkte und Dienstleistungen für diese Gruppe entwickelt wurden. Insgesamt betrachtet müssen wir feststellen, dass die wenigen speziellen E-Learning-Angebote für diese Zielgruppe in erster Linie darauf ausgerichtet sind, älteren Menschen eine grundlegende Medienkompetenz zu vermitteln. In Vermittlung von fachbezogenen Lerninhalten werden sie im Digitalen nicht gesondert einbezogen oder berücksichtigt.


Eine Zielgruppenfokussierung mit entsprechender Strategie und spezifischem Angebot existiert so gut wie nicht. Die wenigen institutionalisierten E-Learning-Angebote haben alle eher »Projekt- oder Experimentiercharakter«.


EINE ZIELGRUPPENFOKUSSIERUNG MIT ENTSPRECHENDER STRATEGIE UND SPEZIFISCHEM ANGEBOT EXISTIERT SO GUT WIE NICHT.

TECHNIK UND MEDIENKOMPETENZ


Generell gilt für alle Zielgruppen, dass Technik und Mediendesign nicht Selbstzweck sein dürfen, sondern sich am Lernenden, am Lernziel und Lernumfeld orientieren müssen. Für die Zielgruppe der älteren Arbeitnehmer setzt das in erster Linie das Beachten der Barrierefreiheit von Software bzw. Benutzeroberfläche voraus. Als Orientierung können dabei die in unserem August-Newsletter genannten allgemeinen Richtlinien zur Barrierefreiheit dienen.


Ähnliches gilt für visuelle Hilfestellungen, zielgruppenspezifisches Design und Orientierungsmöglichkeiten. Die Benutzeroberfläche sollte einfach und übersichtlich aufgebaut sein und sich mit wenigen gut erkennbaren Navigationselementen begnügen, um eine gute Orientierung zu gewährleisten.



E-Learnings müssen sich am Lernenden, an den Lernzielen und am Lernumfeld orientieren, um erfolgreich zu sein

Studien raten dazu, grundsätzlich langsam, behutsam und auf persönliche Bedürfnisse eingehend an E-Learning-Tools heranzuführen, um Vertrauen und Motivation bei den älteren Lernern zu festigen. Auch hierbei kommt dem Thema Hilfestellung und Betreuung ein hoher Stellenwert zu.


Hilfsangebote sollten vielfältig und einfach zu erreichen und sowohl direkt (also im E-Learning-Umfeld selbst, bspw. auch über FAQ) als auch indirekt (PDF, Druck, E-Mail, Telefon-Hotline) verfügbar sein. Ein zusätzlicher Teilnehmer-Support durch Tutoring und (Präsenz-)Schulungen – also durch Blended-Learning-Konzepte – bietet eine solide Betreuungsbasis.


Vor dem Hintergrund zielgruppenspezifischer Lernbedürfnisse und der genannten »Zugangsschwellen« ist eine zielgruppenorientierte mediendidaktische Gestaltung zu empfehlen. Zentral ist dabei die Lernzufriedenheit bei der E-Learning-Nutzung. So sollte E-Learning in der Mitarbeiterschulung am besten eine geringe Anforderung an die Medienkompetenz stellen, einen hohen instruktiven Anteil haben, kleinschrittig vorgehen und ein individuelles Lerntempo zulassen. Dabei sollte es gut gegliedert und beschrieben sein sowie einzelne Informationen gut sichtbar machen. Jüngere, die diese entschleunigte Vorgehensweise nicht benötigen, könnten Module skippen, d.h. überspringen und so im eigenen Tempo lernen.


Kooperative E-Learning-Formen sind individuellen Formen vorzuziehen und sollten möglichst in ein Blended-Learning-Konzept mit kleinen Klassen oder Gruppen eingebunden werden. Dadurch kann internetgestütztes Tutoring mit Lernbetreuung vor Ort kombiniert und somit die Selbstorganisation des Lernprozesses durch Betreuung und Beratung unterstützt werden.


Nicht zuletzt kommt auch der Auswahl der Lerninhalte eine entscheidende Bedeutung zu. Die Inhalte sollten an Lernerfahrung, Regelwissen und Vorwissen der Älteren angepasst sein, nicht zu viel Informationsgehalt gleichzeitig enthalten und sukzessive dargeboten werden.


Die meisten »altersbedingten« Herausforderungen und Einschränkungen mit Blick auf E-Learning für die ältere Zielgruppe ließen sich demzufolge durch angemessene didaktische Konzepte und sensibel durchdachte Gestaltungsaspekte kompensieren. Alters- und zielgruppengerechtes E-Learning müsste zusätzliche Erreichbarkeits-, Brauchbarkeits- und Designkriterien erfüllen, um älteren Mitarbeitern bei Lernumgebungen, Navigation, Texten, Grafiken sowie dynamischem bzw. audiovisuellem Content gerecht zu werden.


FAZIT


Aktuelle Marktbeobachtungen und -analysen zeigen, dass die E-Learning-Wirtschaft der Zielgruppe der älteren Mitarbeitenden nicht mit entsprechenden Fokussierungen, Strategien und Angeboten begegnet, obwohl die Zielgruppe infolge des demographischen Wandels stetig wächst.


Wie auch immer: als Dienstleister für Weiterbildung stellen wir uns der Herausforderung. Besonders in der beruflichen Weiterbildung dürfte die Entscheidung über den Lernerfolg oder -misserfolg in erster Linie davon abhängen, ob sich die Zielgruppe, also in unserem Fall die älteren Mitarbeitenden, in der Didaktik wiederfinden und somit auch ihre Motivation. Diese Zielgruppe wird Angebote bevorzugen, die das Bedürfnis nach selbstbestimmtem Lernen, Kommunikation und Autonomie unterstützen.



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