• Katrin Groß

Learntec XChange – Ein Rückblick auf die spannendsten Themen der Online-Fachmesse

Noch konnte die Learntec nicht an ihrem angestammten Ort in den Karlsruher Messehallen stattfinden. Doch wir hoffen, gemeinsam mit den Veranstaltern, dass dies Ende Mai wieder der Fall sein kann. Um die Wartezeit bis dahin zu verkürzen, gab es vorab Anfang Februar eine virtuelle Veranstaltung rund um die Weiterbildungsthemen im E-Learning Bereich. Falls Sie nicht daran teilnehmen konnten, macht das nichts. Wir haben uns für Sie eingeschaltet und wollen unsere Eindrücke gerne mit Ihnen teilen.


EINSATZ VON VR (VIRTUAL REALITY) IN DER BERUFLICHEN AUSBILDUNG


Im Jahr 1931 gründete Paul Christiani das erste Fernlehrinstitut Deutschlands in Frankfurt am Main. Seit über 90 Jahren entwickelt Christiani Lernkonzepte für die technische Aus- und Weiterbildung: von Fachbüchern, Schulungsunterlagen und digitalen Medien über Lehrsysteme und Schulungsstände bis zu kompletten Fachräumen.


Kevin Wäschebach, Leiter der Christiani Akademie und Claus Divossen, Geschäftsführer von senselab.io stellten das XR Lab Rheine vor. In einer virtuellen Akademie können bestehende Lernanwendungen genutzt und eigene Lerninhalte erstellt werden.


VR wird niemals andere Lernformate komplett ersetzen, ist aber als sinnvolle Ergänzung gedacht. (Claus Divossen, senselab.io)

Am Beispiel einer technischen Übungsanlage für den Sanitäts-, Heizungs- und Klimabereich wurde gezeigt, wie Teilnehmer in einer virtuellen Werkstatt ortsunabhängig zusammenarbeiten können. Entwickelt wurde die Lösung auf der Entwicklungsplattform Unity.


Der Vorteil der virtuellen Werkstatt: Auch Übungsszenarien an technisch hochkomplexe Maschinen, deren Installation mit einem hohen Kapitaleinsatz verbunden wäre, lassen sich virtuell abbilden. Doch auch wenn sie aus allen Himmelsrichtungen in der Akademie virtuell zusammen kommen können: Die Anzahl der Lernenden sollte aus didaktischen Gründen auf 12, maximal 20 Personen beschränkt bleiben. Auch die Dauer der Lerneinheit ist zu begrenzen, auf 30 bis 45 Minuten. Anschließend wird das Tragen der Brillen recht mühsam.


Damit der Einstieg gelingt, bietet Christiani nicht nur eigenen Content an, sondern vermietet auch virtuelle Lernumgebungen für die geplanten Schulungen.


3D-Brille auf und los geht’s: Auf dem Bildschirm am linken Rand sind die Aufgabenstellungen
erläutert. Die Maschine bildet die Funktionalitäten einer „echten“ Maschine 1:1 nach. Sie lässt
sich bedienen und auch umbauen.

MAN SIEHT SICH - WIE KÖNNEN SICH TEILNEHMER VON ONLINE-VERANSTALTUNGEN VERBINDEN?


Virtuelle Seminare: In den vergangenen beiden Jahren haben wir wahrscheinlich alle hier unsere Erfahrungen machen können. Unter dem Titel „How to ‚see‘ and connect with your virtual attendees erläuterte die Referentin Jo Cook von Lightbulb Moment Limited, warum eine Interaktion mit den Teilnehmern einer Online-Veranstaltung so wichtig sei. Bei Weiterbildungen in Präsenz habe der Moderierende immer die Möglichkeit, den Blick durch den Raum schweifen zu lassen. Zustimmendes Nicken, das Lachen über eine lustige Anekdote oder die gerunzelte Stirn lassen sich sofort interpretieren. Bei virtuellen Trainings sei es dagegen nicht selbstverständlich, dass alle ihre Webcam eingeschaltet hätten. Dies würde zwar zu einem vertrauensvolleren Miteinander führen und den Lernerfolg der Gruppe unterstützen, da ein Austausch so einfacher vonstattengehe. Fragen würden so häufiger gestellt. Anregungen, an die man selbst nicht gedacht habe, würden so eher in der Runde geteilt. Doch müsse man die diversen Gründe, warum Anwesende ihr Gesicht lieber nicht zeigen wollten, akzeptieren. Um dennoch ein Feedback zu erreichen, müsse regelmäßig eine Möglichkeit der Anteilnahme gegeben werden.


Denken Sie daran, Ihre Teilnehmer intensiv einzubinden. Holen Sie sich alle drei bis fünf Minuten eine Rückmeldung ein. (Jo Cook, Lightbulb Moment Limited)

Die Einrichtung einer Chatfunktion habe den Vorteil, dass Zustimmung aber auch Kritik direkt angesprochen werden können. Bei Präsenzveranstaltungen versuchten die Trainer

und Trainerinnen die Körpersprache der Anwesenden zu interpretieren. Hierbei könnten sie in ihren Deutungen jedoch auch daneben liegen. Chats funktionierten unmittelbarer

und direkter. Jo Cook empfiehlt, alle drei bis fünf Minuten Möglichkeiten zur Interaktion zu bieten. Dies müsse nicht immer zeitaufwendig sein.


Aus allen Himmelsrichtungen, zusammen an einem Punkt: Die Tools bieten alle
Möglichkeiten zur Interaktion mit den Teilnehmern. Nutzen Sie sie.

Als Rückmeldung könne auch das Anklicken eines grünen Hakens, das Senden einer Emoji oder der Klick auf eine Auswahlliste reichen. In größeren Zeitabständen könne eine umfangreichere Beteiligung angeboten werden. Umfragetools gäbe es einige auf dem Markt, wichtig sei natürlich, dass sie technisch gut in die Präsentation eingebunden

seien und selbsterklärend in der Bedienung.


In welcher Form eine Partizipation der Teilnehmer stattfinden kann, hänge auch entscheidend mit der Größe der Gruppe zusammen. Teilnehmerzahlen bis 10 Personen

böten die besten Voraussetzungen, dass man sich untereinander austauschen könne und die Vorteile der Heterogenität für alle genutzt werden können.


BUZZWORD AGILES LERNEN


Neben der Art der Präsentation darf selbstverständlich der Inhalt nicht zurückgestellt werden. Experten gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2030 über 40 Prozent der Jobs „neu“ gelernt werden müssen. Dabei weiß heute noch niemand, was genau das sein wird. Lernkompetenz würde daher zu der Superpower des 21. Jahrhunderts. Das sagt auch Prof. Dr. Nele Graf. Neues Lernen müsse inhaltsoffen sein, jedoch nicht ziellos. Seit dem Mittelalter bedeute Lernen, dass der Meister sein Wissen an den Lehrling weitergebe. Auch heutige Trainings würden auf diesem System aufbauen. Zukünftig sei die Anforderung jedoch, agiler zu lernen. Das Ziel sei vorgegeben, der Weg dorthin jedoch nicht klar, das Expertenwissen zu komplexen und chaotischen Situationen noch nicht vorhanden.


Lernen ist selten ein Selbstzweck. Besonders der Mensch als Lerner ist aus dem Fokus gerückt. Wir sind begeistert von den neuen Lernformaten, aber haben vergessen, dass diese auch einen Kulturwandel und neue Anforderungen an die Lerner begleiten. Ich möchte den Menschen wieder in das Zentrum rücken, denn das hilft sozial und wirtschaftlich. (Prof. Dr. Nele Graf, Die Lernonauten)

Doch auch wenn die Inhalte offen seien, müsse es eine feste Struktur in der Vorgehensweise geben. Als wichtige Kompetenzen sieht Nele Graf eine gute Diskurs-Kompetenz. Fachlicher Streit, der nicht emotional geführt werde, sei unabdingbar. Unterschiedlichkeit sei als Wert zu erkennen. Heute müsse sich daher um das „Wie“ des Lernens gekümmert werden, damit morgen das „Was“ angegangen werden könne. Selbstorganisation, digitale Grundkenntnisse und Resilienz seien grundlegende Kompetenzen.



Der Vorreiter aller digitalen Zertifikate: das Impfzertifikat.

DIE EINFÜHRUNG DIGITALER ZITATE


Bis Ende des Jahres 2022 sollen die Bürger Verwaltungsleistungen online nutzen können, so schreibt es das Onlinezugangsgesetz vor. Dass man wichtige persönliche Dokumente auf dem Mobiltelefon stets im direkten Zugriff habe, mag sich vor einigen Jahren noch erstaunlich angehört haben. Heute ist es für uns selbstverständlich geworden, das Impfzertifikat als QR-Code digital zu präsentieren. Die Digitalisierung soll demnächst europaweit auch für (Schul-)Zeugnisse eingeführt werden. Andreas Wittke von der Technischen Hochschule Lübeck gab hierzu einen Einblick. Aktuell laufen einige Pilotprojekte und ausgewählte Schulen haben bereits Abschlusszeugnisse neben der gedruckten Version digital zur Verfügung gestellt. Erste Hochschulen erkennen diese

elektronischen Zertifikate bei der Bewerbung bereits an. Fälschungssicher werden sie durch die Blockchain Technologie. Wer jetzt an Bitcoins denkt, liegt nicht ganz falsch, arbeitet diese Währung doch auch auf Grundlage dieser Methode. Doch die für die Sicherheit der Zeugnisse verwandte Technik arbeitet wesentlich  ökonomischer. Hier muss keine Rechnerleistung für das Schürfen neuer Münzen verbraucht werden. Vielmehr werden die Dokumente im pdf-Format hochgeladen und anschließend mit einem individuellen Hashtag versehen, quasi dem Fingerabdruck des Belegs. So wird auch der Datensicherheit genüge getan, denn in der Blockchain liegt nur das Hashtag, also das Echtheitszertifikat, nicht die für alle lesbaren Noten selbst. Geplant ist eine europaweite Vereinheitlichung, die es dann auch ermöglichen soll, dass sämtliche (Weiter-) Bildungszertifikate digital erstellt werden und zum Beispiel bei Bewerbungen unmittelbar

von der HR-Software erkannt, auf Originalität überprüft und verarbeitet werden können.

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