• Sonja Alexander

Kunst im öffentlichen Raum

Wer kennt sie nicht, Jonathan Borofskys Skulptur »Hammering Man«, die seit 1991 als Wahrzeichen der Messestadt Frankfurt dient. Kunstwerke im öffentlichen Raum erfreuen sich vielerorts zunehmender Beliebtheit. Ob als Skulpturengarten oder als Blickachsen in Parks angelegt, sind nationale und internationale Kunstwerke jederzeit als museale Präsentation zugänglich. Diese modernen Objekte werden meist städtisch gefördert oder im städtischen Auftrag erstellt und auf öffentlichem Grund aufgestellt. Kultur und Natur gehen dabei je nach Tages- und Jahreszeit eine interessante Symbiose ein.


SKULPTURENPARK ESCHBORN


Im Jahr 1992 erschafft die Frankfurter Bildhauerin Gisela Weber mit ihrem vor Ort erstellten Kunstwerk »Steine für Eschborn« das erste Objekt für die Eschborner Skulpturenachse. Sechs Wochen lang bearbeitet sie einen heimischen Sandsteinquader, der fortan symbolisch die Verbindung zweier Stadtteile darstellt. Jährlich kommen weitere Skulpturen und Plastiken hinzu und bereichern das Eschborner Stadtgebiet. So begrüßt seit 2015 der überlebensgro.e »Standing Man«, eine Bronzeplastik des britischen Künstlers Sean Henry, Reisende der S-Bahn-Station Eschborn-Süd. Zwischen der Frankfurter City und dem nördlich gelegenen Taunusgebirge entsteht 2010 der Skulpturenpark Eschborn-Niederhöchstadt. Auf 20.000 Quadratmetern gibt es nun die »grüne Achse Westerbach«, eine Parkanlage auf der grünen Wiese mit Bachlauf.

Das Kunstwerk »Das Versprechen« von Stephan Guber misst über 2 Meter.
© Wolf-Dietrich von Schlieffen/ https://www.eschborn.de/stadt-kultur-und-tourismusinformationen/kultur/skulpturenpark/das-versprechen/

Zur Eröffnung erstellt der Bildhauer Stephan Guber eine siebenköpfige Skulpturengruppe. In acht Wochen modelliert der Künstler mittels Kettensäge über zwei Meter hohe massive Eichenstämme und nennt sein Kunstwerk »Das Versprechen«. Seit 2013 ist das aus Bronze und Eisen gefertigte Werk »Untitled (Installation #56)« des Niederländers Hanneke Beaumont aufgestellt. Im Eschborner Skulpturenpark gibt es dauerhaft neun Ausstellungsobjekte zu bestaunen, welche im Sommer durch temporäre Kunstwerke ergänzt werden. Detaillierte Informationen finden Sie unter www.eschborn.de. Dort ist auch ein Audioguide für eine interessante Führung hinterlegt.

Hanneke Beaumonts Werk aus Bronze und Eisen. © Hanneke Beaumont/ Untitled (Installation #56)

DIE FRÄNKISCHE STRASSE DER SKULPTUREN


Sogar aus Japan kommen Enthusiasten, um den »Sieger Herrn Müller« zu besuchen. Die Reise führt sie ins oberfränkische Litzendorf, unweit von Bamberg gelegen, in die Fränkische Toskana. 1994 initiiert der Bildhauer und Grafiker Ad Freundorfer dort für seine Heimatgemeinde Lohndorf eine Skulpturenstraße. Über eine Wegstrecke von 7,5 Kilometern findet der kunstinteressierte Wanderer moderne Kunstwerke verschiedenster Materialien, platziert in der reizvollenLandschaft des Ellertals. Die teilnehmenden Künstler überlassen ihre Objekte dem »Freundeskreis Fränkische Straße« für mindestens zwei Jahre. Inzwischen kommen festinstallierte Flurdenkmale hinzu, welche die Natur-Kunst-Route dauerhaft bereichern. Darunter auch die »Juraschnecke« des Bildhauers Harald Müller aus der Ateliergemeinschaft Töpchin. Aus dem Holz einer Roteiche schnitzt der Künstler auch die Skulptur »Sieger«. Jedoch die wechselhafte Witterung macht dem »Sieger Herrn Müller« zu schaffen, ihm fällt letztendlich ein Arm ab. Als 3,60 Meter hohe Bronzefigur strahlt nun der neue »Sieger Herr Müller« seit 2016 wieder über die Köpfe seiner Bewunderer. Unter www.fraenkische-toskana.com finden Sie einen ausführlichen Flyer über »Kunst- und Skulpturenwege« in der Fränkischen Schweiz.

Im Frühling ist es besonders schön in der Fränkischen Toskana. © Bernd Zwönitzer

KUNST UMSONST UND DRAUSSEN IM WESTFÄLISCHEN

MÜNSTER


Auf der Wiese am Aasee beeindrucken überdimensionale weiße Betonkugeln Besucherinnen und Besucher Münsters. Der Schwede Claes Oldenburg, weltberühmt für seine Riesen-Skulpturen, erschafft sie 1977 für die erste Freiluft-Skulpturenausstellung der Stadt, die fortan alle 10 Jahre stattfindet. Die Werkschau »Skulptur Projekte« ist ein Pendant zum »Museum der 100 Tage«, der »documenta« in Kassel. Dank der Freiluftausstellung sind nun über 60 Objekte in Münster zu bestaunen, die in situ unter der Vorgabe entstehen, sich mit der Geschichte, Kultur oder Topografie der Westfalenmetropole zu beschäftigen. Inzwischen wurden sechs unterschiedliche Touren

erstellt, die zu Fuß, per Rad oder mit dem Auto zu den Kunstwerken führen. So kann man einen 3 km langen Spaziergang durch die Altstadt unternehmen. Ausgangsort ist der Rathausinnenhof am Platz des Westfälischen Friedens. Dort steht das Stahlobjekt »Toleranz durch Dialog« des spanisch-baskischen Bildhauers Eduardo Chillida. Er ehrt damit den Westfälischen Friedensschluss von 1648 und die Beendigung des Dreißigjährigen Krieges. Rund um den Aasee führt ein 10km langer Tagesspaziergang, vorbei an den Aasee-Terrassen zum »Billardtisch mit seinen drei weißen Betonkugeln«. Die »Giant Pool Balls« des Pop Art Künstlers Oldenburg haben einen Durchmesser von 3,5 Metern. Nur 100 Meter entfernt gibt es eine kleinere Kugel zu sehen. Ein Geschoss, eingemauert in der Stadtbefestigung. Dank einer kostenlosen App lassen sich die sechs Kunsttouren wunderbar eigenständig erkunden. Mit integriertem Scanner und QR-Code erhalten Sie detaillierte Informationen über Objekte und Werkschaffende. Sie ist im App Store unter »Skulp.Tour Münster« verfügbar.


Am Aasee lassen sich die »Giant Pool Balls« des Künstlers Oldenburg bestaunen. © Foto: Presseamt Münster
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