• Dr. Bernhard Walther

Arago on Tour: 5 Tage am, im und mit einem Kloster

Mein Ziel war das Kloster St. Johannis, das mitten im alten Fischer-Stadtteil Holm mit seinen niedrigen geduckten Häusern liegt. St. Johannis war ein Kloster der Benediktinerinnen. Und jetzt sind Sie möglicherweise überrascht: nach der Reformation wurde es umgewandelt in ein Frauenstift, also ein evangelisches Kloster, in dem unverheiratete adelige Damen, hier Damen der Ritterschaft Schleswig, manchmal auch temporäre Heimat fanden und finden. Derartige evangelische Klöster gibt es übrigens auch in der Heide.


Ein kräftiger Regenguss empfing mich bei Ankunft. Glücklicherweise fand ich Zuflucht im Kreuzgang, hier Schwahl genannt, aus dem dänischen Laufgang. Dem nordischen Wetter geschuldet, handelt es sich um einen geschlossenen quadratischen Gang, nicht wie weiter im Süden üblich offen. Kurzum zückte ich mein Telefon und telefonierte mit der Stiftsdame, Frau Josephine Hubalek, die mich generöser Weise eingeladen hatte, das Kloster zu besuchen. Sie hieß mich freudig willkommen und kündigte Pater Ralf an, der mich alsbald abholen würde. Ein sympathischer, sportlich gekleideter Herr erschien nach wenigen Minuten. Dies war Pater Ralf, der mich befragte, ob ich gleich an einer Kloster-Führung teilnehmen wolle. Dieser Führung schlossen sich einige weitere Besucher an. Pater Ralf führte uns sodann sachkundig in Kunst und Historie des Klosters ein.


St. Johannis ist heute ein evangelischer Frauenstift.

Wie konnte es hier nur einen Pater geben, den man doch eher in einem katholischen Kloster vermuten würde, fragte ich mich. Wie sich später herausstellte, ist der Kölner Pater Ralf Mitglied des Amigonianer-Ordens. Er nahm eine spirituelle Auszeit und erkor sich hierzu dieses evangelische Stift aus. Um sich für die Aufnahme erkenntlich zu zeigen, half er mit, wo er nur konnte, unter anderem mit diesen Kloster-Führungen.


Zwischenzeitlich waren zwei weitere Gäste eingetroffen. Frau Gudrun Haag mit Tochter Babette Haag. Sie kamen in einem großen Lieferwagen. Dies hatte einen triftigen Grund. Sie transportierten ihre Instrumente, eine Harfe und eine Marimba. Die Harfe ist komplex, aber allseits bekannt. Die Marimba ist wie ein übergroßes Xylophon mit Ursprüngen in Afrika und Mittelamerika. Die beiden spielen als Duo Aparimba alte Musik und gastieren weltweit. Eine Recherche oder Besuch eines ihrer Konzerte ist mehr als lohnend!


Konzert, das ist das nächste Stichwort. Das Konzert in der alten Klosterkirche am nächsten Tag war wundervoll in der Kombination von hoher Kunstfertigkeit, stimmungsvoller Kirche und Hingabe des Publikums. Unter den Zuhörern war die Priörin des Klosters. Hier schulde ich Ihnen eine Erklärung. Großen Klöstern steht ein Abt oder eine Äbtissin vor, die administratorisch von einem Prior oder einer Priorin unterstützt werden. Kleinere Klöster haben nur Priore bzw. Priorinnen. Und die Priorin wird im norddeutschen Sprachgebrauch Priörin genannt.


Gehen wir zurück zum ersten Abend. Die Gastgeberin hatte in ihr Klostergebäude geladen. Es gab eine mediterran anmutende Vorspeise, gefolgt von einem sagenhaften Fischtopf, abgerundet durch eine Nachspeise. Ja, wer hatte wohl dieses wunderbare Essen auf höchstem Niveau gezaubert? Der Koch war Pater Ralf! Und was noch mehr verwunderte, er benutzte nur einen Topf, einen asiatischen Wok. So gingen die Tage mit fröhlichen Gesprächen am und ab vom Tisch, mit guter Musik und exzellentem Essen vorüber. Und wo war nun die spirituelle Einkehr, werden Sie sich fragen? Zum einen natürlich bei der Musik in entsprechender Umgebung, zum anderen in der Schlei. Das Kloster liegt direkt am Wasser, wo es sich wunderbar schwimmen lässt. Man hat dabei einen Blick auf das gegenüberliegende Ufer, das alte Haithabu (ehemalige bedeutende Siedlung dänischer Wikinger) und am diesseitigen Ufer auf den wunderbaren Dom von Schleswig. Bei diesem Naturschauspiel wandern die Gedanken von selbst.


Es kann sein, dass Sie sich einen Kloster-Aufenthalt etwas anders vorgestellt haben. Wenn ich für mich sprechen darf, so war gerade dieser Aufenthalt Labsal für Geist, Auge, Ohren und Seele. Und wenn ich Ihnen etwas raten darf, fahren Sie doch einmal in Deutschlands dänisch geprägten Norden, besuchen Sie Schleswig und das Kloster St. Johannis. Sie werden es nicht bereuen!


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